Vortrag: Der getrübte Blick auf Israel – Gegen den Al Quds-Tag 2013 in Wien

Am 4. Juni 2013 um 19 Uhr habe ich meine Diplomarbeit „Die ,Fact-Finding-Mission to the Middle East‘ der Sozialistischen Internationale“ in der SPÖ Bezirksorganisation Mariahilf präsentiert. Nach meinem Vortrag hat Florian Markl von MENA Watch (Medienbeobachtungsstelle Naher Osten) über die einseitige Berichterstattung der Medien hinsichtlich des Nahostkonflikts berichtet.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe Gegen den Al Quds-Tag 2013 des Bündnisses Gegen den Al Quds-Tag statt. Nähere Informationen darüber sowie das Audiofile meines Vortrags kann man hier abrufen.

Ankündigunstext zu meinem Vortrag:

Die Nahostpolitik der Sozialistischen Internationale (SI) war bis zum Jahr 1973 von tiefer Solidarität zur „Israelischen Arbeitspartei“ und zum Staat Israel gekennzeichnet. Erst nach dem Yom-Kippur-Krieg und der von der OAPEC (Organisation der arabischen Erdöl exportierenden Staaten) ausgelösten Erdölpreiskrise beschlossen die damaligen Vertreter des sozialdemokratischen Dachverbands eine „Fact-Finding Mission to the Middle East“ durchzuführen. Unter der Leitung Bruno Kreiskys bereisten die Delegierten 1973 Ägypten, Syrien und Israel, 1974 Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen sowie 1975 Kuwait, Irak, Jordanien, Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Sie diskutierten mit bekannten Politikern wie Golda Meir, Anwar al-Sadat, Hafzi al-Assad, König Hassan II., Houari Boumedinne, Hedi Nouira, Muammar al-Gaddafi, Saddam Hussein, König Hussein von Jordanien u.a. über eine friedliche Lösung des arabisch-israelischen Konflikts, die Palästinenserfrage, ökonomische Kooperationen sowie eine etwaige Zusammenarbeit der SI mit arabischen Parteien. Während des Ägyptenbesuchs lernte Bruno Kreisky auch Yassir Arafat kennen, dem er zunächst überaus skeptisch gegenüberstand. Erst 1975 solidarisierte sich Bruno Kreisky immer stärker mit Arafats PLO und den Palästinensern. Dies führte auch zu einem politischen Paradigmenwechsel innerhalb der SI und der sozialdemokratischen Parteien, der bis heute von einer Verbundenheit zur PLO und einer oftmals skeptisch bis ablehnenden Haltung gegenüber der Politik Israels gekennzeichnet ist.

Die Historikerin Claudia Aurednik hat sich in ihrer Diplomarbeit „Die ‚Fact-Finding Mission to the Middle East‘ der Sozialistischen Internationale. Mit einer kritischen Diskursstranganalyse des Flüchtlingsdiskurses, der Wahrnehmung Israels und der Schoah“ mit den Protokollen der Fact-Finding Mission auseinandergesetzt. In ihrem Vortrag wird sie über den Paradigmenwechsel der SI im israelisch-palästinensischen Konflikt sowie über Kreiskys Diskurspositionen sprechen. Ein Schwerpunkt ihres Vortrages stellen auch die Forschungsergebnisse ihrer Untersuchung hinsichtlich des Flüchtlingsdiskurses, der Wahrnehmung Israels und der Schoah dar. Denn die Aussagen einiger Politiker aus den arabischen Ländern waren von Antisemitismus, der Leugnung und Relativierung der Verbrechen der Schoah sowie der Infragestellung einer Existenzberechtigung Israels gekennzeichnet.

Audiofile:

Gegen den Al Quds Tag Wien 2013 Vortrag Claudia Aurednik Florian Markl Der getrübte Blick auf Israel 20130604

Aufruf zur Kundgebung gegen den Al Quds Tag in Wien

Am 3. August 2013 wird der so genannte „Al-Quds-Tag“ zum wiederholten Mal auch in Wien stattfinden. Eingeführt wurde er 1979 nach der islamischen Revolution im Iran von Ayatollah Khomeini. Der „Tag zur Befreiung Jerusalems von der zionistischen Besatzung“, also die Propaganda zur Vernichtung Israels, sollte jährlich am Ende des Ramadans abgehalten werden. Eine von Mullahs angeführte, nach Geschlechtern getrennte Demonstration folgt diesem Ruf auch in Wien. Im Jargon des Friedens wird die Auslöschung Israels gefordert. Dabei wird die Fahne jener Organisation mitgeführt, die weltweit für zahlreiche tödliche Anschläge, insbesondere gegen Juden und Jüdinnen, verantwortlich ist: Die der Hisbollah.

Unter dem Deckmantel der „friedlichen Nutzung“ der Atomenergie wird in Teheran an jener Atombombe gearbeitet, die das Ende Israels besiegeln soll. Es waren und sind die europäischen Staaten und insbesondere Österreich, die durch ihre politische Kooperation in den letzten 30 Jahren und durch den fortgesetzten Handel mit dem iranischen Regime die Ajatollahs überhaupt in die Lage versetzen, ihr Atomprogramm, ihre Propaganda und die Repression gegen die Bevölkerung fortzusetzen.

Die Aggressionen des iranischen Regimes, das Konferenzen zur Leugnung des Holocausts veranstaltet und in Wien nicht nur mit seiner Botschaft, sondern auch durch deren „Kulturabteilung“ in der Schottenfeldgasse und durch die Imam Ali Moschee in der Mollardgasse präsent ist,  richten sich nicht nur gegen den jüdischen Staat. Betroffen vom blutigen Terror sind auch all jene Iraner und Iranerinnen, die sich der Reglementierung ihres Lebens durch das Regime zu entziehen versuchen – egal, ob es sich um politisch Aktive, Gewerkschafter, Homosexuelle, religiöse Minderheiten oder einfach nur Jugendliche handelt, die ihr Leben selbstbestimmt und ohne dem andauernden Zwang der Sharia leben wollen.

Gegen diese Unterdrückung des je einzelnen Lebensglücks entlud sich 2009 die angestaute Wut in Massenprotesten gegen das Regime. Millionen von Menschen brachten die „islamische Republik“ an den Rand einer Niederlage. Sie blamierten den staatlich organisierten Israelhass, indem sie die Parolen der Islamisten, die Israel den Tod wünschen, mit regimekritischen Parolen wie „Putin, Chávez, Nasrallah, ihr seid die wahren Feinde des Irans“ und „Weder Gaza (sprich: Hamas) noch der Libanon (sprich: Hisbollah), unser Leben für den Iran“ konterten und dem Regime mit Parolen wie „Marg Bar Jomhurriye Eslami“ („Nieder mit der islamischen Republik!“) eine Absage erteilten. Es war unter anderem dem Schweigen des Westens und dem damit einhergehenden Verrat an der iranischen Freiheitsbewegung geschuldet, dass die Diktatur der Ajatollahs diesen Protest überstand.

Neben den Revolutionswächtern war auch die Hisbollah maßgeblich an der mörderischen Aufstandsbekämpfung beteiligt. Die gelb-grüne Fahne der „Partei Gottes“ wird auch hierzulande auf den jährlichen Al-Quds-Aufmärschen mitgeführt. Die Hisbollah wurde in den 1980er-Jahren als Ableger der islamischen Revolution im Libanon unter massiver Mithilfe des Irans gegründet und wird bis heute vom Regime in Teheran finanziell unterstützt. Selbst nach dem Terroranschlag im bulgarischen Burgas 2012, dem fünf israelische Touristen und ein bulgarischer Busfahrer zum Opfer fielen, konnte sich die EU bisher nicht dazu durchringen, die Hisbollah auf die Liste terroristischer Organisationen zu setzten.

Wir werden am 3. August gegen den islamistischen Propagandaaufmarsch in Wien in Solidarität mit den Revoltierenden im Iran und in der Hoffnung, dass die Friedhofsruhe aus Hinrichtungen, Folterungen und Tugendterrorismus ehest endet, demonstrieren und fordern:

Kein Al-Quds-Tag in Wien und anderswo!

Solidarität mit der Freiheitsbewegung im Iran und der säkularen Opposition im Iran und im Exil!

Solidarität mit Israel! Gegen jeden Antisemitismus!

Hisbollah auf die EU-Terrorliste! Für schärfere und konsequente Sanktionen gegen das iranische Regime!

Keine Geschäfte mit antisemitischen Regimes und Bewegungen!

 Bündnis gegen den Al Quds Tag  in Wien 2013
gegendenalqudstagwien.wordpress.com
facebook.com/gegendenalqudstaginwien

Gegen Al Quds Tag 2013

Aufrufende Gruppen: Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich, Autonome Antifa Koroška/Kärnten, Basisgruppe Politikwissenschaft, B´nai B´rith – Zwi Perez Chajes Loge, Bund sozialdemokratischer Juden – AVODA, Café Critique, exsuperabilis.blogspot.com, Grüne & Alternative StudentInnen Wien, Hashomer Hatzair, Institutsgruppe Geschichte, Institutsgruppe Philosophie, Iranisches Frauennetzwerk Wien, Israelitische Kultusgemeinde Wien, Kommunistischer Student_innenverband Linke Liste, Kurdische Gesellschaft für Bildung, Integration und Kultur, Liberales Forum, LICRA-Österreich, Mideast Freedom Forum Berlin, Misrachi Österreich, Monochrom, Österreichisch-Israelische Gesellschaft, Plattform Moses Mendelssohn Synagoge, QueerHebrews, Queerograd, Referat für antifaschistische Gesellschaftskritik der ÖH Uni Wien, Republikanischer Club – Neues Österreich, SPME Austria, SPÖ Mariahilf, SPÖ Themensektion Hawikuah, STOP THE BOMB – Bündnis gegen das iranische Atomprogramm, WIZO – Women’s Inernational Zionist Organisation, Zionistische Föderation in Österreich. Weitere folgen noch.

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