KAMA – Grenzenloses Lernen

Die Initiative KAMA bietet Kurse von AsylwerberInnen, MigrantInnen und Asylberechtigten an und ermöglicht einen Austausch mit Menschen, die von Politik und Mehrheitsgesellschaft oft diskriminiert werden.

In der kleinen Küche der Bürogemeinschaft Schottengasse herrscht reges Treiben. „This is yam and this is cat fish“, erklärt Kelvin, der nigerianische Kursleiter. Gemeinsam mit seinem Freund Nicolas wird er heute den KAMA-Workshop leiten und die nigerianische Kochkunst anhand eines Menüs präsentieren. Egusi-Suppe, rote Bohnen mit Kochbananen und Yam-Sauce. Während manche TeilnehmerInnen die Kochbananen in breite längliche Streifen schneiden, brät Kelvin das Fleisch in reichlich rotem Palmöl. Flink vermischt er die Zutaten in einer großen Schüssel und erklärt alle Vorgänge in englischer Sprache.Laufende Asylverfahren

Kelvin ist Asylwerber und bereits seit sieben Jahren in Österreich. Da er keine Arbeitserlaubnis hat, helfen ihm die durch die Kochkurse eingenommenen Spenden in seiner schwierigen Situation weiter. Die finanziellen Probleme vieler AsylwerberInnen sind auf die Asylgesetzgebung 2006 zurückzuführen. Denn seither haben AsylwerberInnen, deren Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, fast keine Chance auf eine Arbeitserlaubnis.1 Auf dieses Problem wurde die Sozialarbeiterin Sonja Pargfrieder während ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit bei Ute Bock aufmerksam. Im Herbst 2006 setzte sie das KAMA-Konzept (KAMA steht für: Kurse von AsylwerberInnen, MigrantInnen und Asylberechtigten) zunächst als Projektpraktikum an der FH für Sozialarbeit durch. Mittlerweile hat sich der Verein KAMA etabliert. Das Kursangebot umfasst Sprachen, Tanzen, Musik, Kunst und Kochen. Der Inhalt und die Gestaltung der Kurse obliegen den KursleiterInnen.

Grenzüberschreitende Kochkunst

Die Organisation leistet ein Team von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. Die Kultur- und Sozialanthropologiestudentin Christine Stadlbauer ist eine davon. Seit zwei Jahren organisiert sie die Kochkurse und unterstützt die jeweiligen KursleiterInnen. Während ihrer Arbeit hat sie WorkshopleiterInnen aus Afghanistan, Syrien, Indien, Westafrika, Haiti und dem Libanon betreut. Die Frage nach den Fluchtgründen der Menschen kann Christine nicht beantworten: „Ich frage sie nicht danach, weil ich kein Trauma bei ihnen auslösen und in offenen Wunden bohren will. Und schließlich versuchen wir von KAMA auch ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.“ Wie alle Kurse ist auch der Kochkurs kostenlos, nur die anfallenden Lebensmittelkosten werden unter den BesucherInnen aufgeteilt. Es gibt auch Menschen, die regelmäßig Kurse bei KAMA besuchen. Eine davon ist Daniela Rubelli: „Es ist einfach eine super Idee, dass AsylwerberInnen ihr Wissen weitergeben. Einmal war ich auch bei einem afghanischen Kochkurs und der Koch war bereits seit acht Jahren in Österreich ohne einen Aufenthaltstitel bekommen zu haben“, erklärt sie und schüttelt energisch den Kopf.

Alltagsrassismus und Raumnot

Mit Alltagsrassismus haben die KursleiterInnen zusätzlich zu kämpfen. „Erst letzten November wurde bei einer Kontrolle durch die Polizei ein schwarzer Workshopleiter aufgehalten. Bei sich hatte dieser die eingenommenen Spenden eines KAMA-Kurses. Die Polizei ließ nicht locker und wollte trotz gültiger Papiere wissen, woher er das Geld habe. Für den Workshopleiter war dies eine überaus unangenehme Situation“, berichtet Martina Ruf während des KAMA-Bürodienstes. Die DaF/DaZ-Lehrerin2 engagiert sich seit Mai 2010 für den Verein. Über ihre Diplomarbeit wurde sie auf die Schwierigkeiten der AsylwerberInnen aufmerksam. Martina erklärt, dass KAMA keine Förderungen von politischen Parteien erhält und sich nur durch Spenden finanziert. In näherer Zukunft sind auch Soli-Konzerte geplant. Zudem würde der Verein dringend größere Räume speziell für die Kochworkshops benötigen, da die Gemeinschaftsküche zu klein ist.

Persönlicher Austausch

Neben dem kleinen Büro, das sich KAMA mit dem SCI (Service Civil International) teilt, findet gerade der Russischkurs für AnfängerInnen statt. Die aus Armenien stammende Kursleiterin Sinare Oganesian ist bereits österreichische Staatsbürgerin und ein Beispiel für die Gruppe der MigrantInnen, die bei KAMA Kurse halten. Während des Gesprächs unterrichtet sie eine (!) Kursteilnehmerin, die von dem persönlichen Austausch zwischen Teilnehmerin und Kursleiterin begeistert ist. Petra, die selbst als Lehrerin arbeitet, ist vor allem von dem kulturellen Austausch fasziniert. Denn wo sonst hat man schon die Möglichkeit, auf so persönliche Art und Weise unterrichtet zu werden?

(Veröffentlich in Unique 02/11 unter dem Titel: Kama – grenzüberschreitender Wissensaustausch)

Falls du bei KAMA mitmachen möchtest, kontaktiere info@kama.or.at
Informationen zu dem Verein, dem aktuellen Kursangebot sowie der Bankverbindung für Spenden findest du unter: http://www.kama.or.at/

(1)    Nähere Infos zur Lage von AsylwerberInnen in Österreich: Deserteurs- und Flüchtlingsberatung Wien: http://deserteursberatung.at/recht/article/960/362/

(2)   DaF/DaZ bedeutet Deutsch als Fremdsprache / Deutsch als Zweitsprache.

Kama - Wissen über Grenzen hinaus - Unique

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